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Wijsheid is een praktische deugd: 2 nieuwe boeken van Peter Hubral

(tekst van mijn bespreking op Amazon.de met de titel ‘Weisheit ist eine praktische Tugend’)
Denken, Wissen, Weisheit Teil I ist eine ergänzende und vertiefende Zusammenfassung von Hubral’s bisherigen Publikationen; Band II fügt dazu ihre Anwendungen. Er ist Professor für Geophysik im Ruhestand, der mit vielen Kulturen zwischen Ost und West in Kontakt kam, und großes Interesse an ihren Weisheitstraditionen bekundet. Er erlangte seine tiefste Einsicht darüber, als er vor ungefähr 20 Jahren in der daoistischen Schule des chinesischen Meisters Fangfu, in der er seitdem Mitglied in der deutschen Gruppe ist, mit der inspirierenden Dao-Praxis in Kontakt kam. Es ist die Kernpraxis seiner Schule, über die Hubral nur wenig Information liefert, was ja bei einer Übung, die „keine-Methode“ beinhaltet, von Natur aus ja auch unmöglich ist. Sie wird in entspannter lockerer Stehposition durchgeführt und ist deshalb sehr wirksam, weil alle damit gewonnen neuen Einsichten gänzlich absichtslos und unerwartet zustande kommen. Damit genügt sie dem Grundprinzip des philosophischen Daoismus: ZIRAN (自然 = Selbst-so; so-aus-sich-heraus; von-selbst-so, natürlich; spontan). Damit wird ein außergewöhnliches Wissen (Taijixue) erworben, das nicht weniger umfangreich ist als das im Alltag erworbene ist. Darauf verweist Hubral am Ende seines Buches mit dem bekannten Zitat von Aristoteles: „Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen“. Damit charakterisiert Aristoteles zwar kurz seinen Inhalt, jedoch er hat sich diesen praktisch nicht selbst erübt, so wie sein Lehrer Platon, dem Hubral die von Platon benannte Praxis des Sterbens (melete thanatou) zuweist. Darin erkennt Hubral eine meditative Übung, die auf demselben Prinzip („keine Methode“) basiert, wie die ihm langjährig vertraute Dao-Praxis. Er macht klar, dass die Unterstützung von Meister Fangfu für seine außergewöhnlichen Einsichten unverzichtbar war. Dies erscheint mir wichtig zu betonen, weil er offenbar Leser anspricht, die ihren eigenen persönlichen Weg auf diesem (oder einem ähnlichen) Pfad der Erkenntnis gehen möchten. Auch deutet er an, dass man in der Tradition seiner Schule viele weitere persönliche Erfahrungen sammeln kann, die er nicht anspricht, zumal sie nur von denen verstanden werden könnten, die sie ebenfalls gemacht haben. Sein Buch ist jedoch an ungeübte Leser gerichtet.
Hauptinhalt der beiden Bände
Der Hauptinhalt ist mehr, als was ich bisher angedeutet habe, denn Hubral geht es um das Hervorheben der guten Überseinstimmung zwischen der daoistischen und der pythagoreischen/ platonischen Lehre, womit er sich ausführlich auseinandersetzt. Es geht ihm auch darum, uns Lesern das daoistische Bild von „Mensch und Welt“ im ständigen schöpferischen Wandel – Entstehen und Vergehen – zu vermitteln. Es ist das psychokosmische Weltbild, das die einzigartige „Praxis ohne Methode“ in der meditativen Innenschau aus sich heraus hervorbringt. Und dies ist wichtig: Es ist dasselbe Bild, das er auch in der Lehre der pythagoreischen/ platonischen Schule und anderen übungsbasierten östlichen Lehren erkennt. Er betont immer wieder, dass die Übung allem vorangeht. Sie ist die Wurzel aller Erkenntnis, die „ohne Methode“ erworben wird. Sie erfordert es, ohne Erwartung (Anweisung, Methode, Hypothese) regelmäßig zu üben, um innig zur Ruhe zu kommen und so in höhere Erfahrungsdimensionen des Jenseits vorzudringen. Dies gelingt durch die Innenschau, durch „Horchen auf das Innere“, denn das Äußere (Diesseitige) ergibt sich aus dem Inneren (Jenseitigen). Die Voraussetzung dafür ist „keine-Methode“. Beides ist identisch. Nur sie ermöglicht die Erfahrung dessen, was auf nicht konditionierte (hypothesenfreie) Weise aus sich heraus erworben wird und zum innigen Selbst- und Weltverständnis beiträgt. Dazu grenzt Hubral diese Innenschau vom Rationalismus (besonders in Philosophie und Wissenschaft) ab, der unsere heutige westliche Kultur prägt und mit dem er als Professor für Geophysik sehr gut vertraut ist. Er bringt klar zum Ausdruck, dass Rationalismus kein Erkenntnisweg ist, der Antworten auf tiefgründige Lebensfragen liefert; Antworten, die er in seiner Schule „ohne Methode“ reichlich gefunden hat und nicht nur dort, sondern auffallender Weise auch in den Schatzkammern der westlichen platonischen Tradition. Diese Tradition ist hier – in Anbetracht ihren vielen ‚echten‘ Vorläufer (z.B. Pythagoreer) und Nachfolger (z.B. Neoplatoniker) – breit aufzufassen.
Parallelität der östlichen und westlichen Weisheitslehren
Es geht Hubral, so wie in all seinen Büchern, um das Hervorhebender Gleichheit oder tiefen ursprünglichen Parallelität zweier renommierter Schulen. Die eine ist die daoistische, die seit eh und je in China besteht und dem Autor im Westen zugänglich wurde und der er nun praktiziert. Die andere ist die altgriechische, die er seit dem Mittelalter im Westen verschwunden achtet. Der Grund ist, weil ihre Lehrer und damit die Übung verloren gingen.
Er hebt ihr Denken und Handeln vom rationalistisch denkenden Aristoteles und seinen Nachfolgern ab. Diese ignorierten die Praxis und entfernten sich somit vom tiefen Verständnis der ewig schöpferischen Natur, die im Üben zunehmend erfahren wird. Sie wurden somit zu westlichen Protagonisten der Wissenschaften und Wissenschaftstheorien, die das heutige rationale Welt- und Selbstverständnis weltweit prägen. All dies entspringt jedoch der uralten universellen Tradition „ohne Methode (willentliches Eingreifen)“, womit das ewig beständige spirituelle Wissen (so Peter Hubral) erlangt wird, das im Westen zugunsten des Rationalismus verschüttet wurde.
Die frühen Verfechter des Rationalismus wurden und die heutigen werden immer noch von der Hoffnung getragen, dass die damit – durch willentliches (bewusstes) Eingreifen in die komplexen Prozesse der Natur – gewonnenen Erkenntnisse, dem Wohl der Menschheit dienen. Diese weitverbreitete Vorgehensweise wird jedoch von immer mehr Zeitgenossen infrage gestellt. Es sind Menschen, die nach Alternativen suchen, so wie der Autor. Er fand sie in der daoistischen Lehre, der es darum geht, die Einheit hinter der Vielfalt zu erkennen und zu nutzen. Was dies im Detail beinhaltet, erklärt er ausführlich in klaren Skizzen und Bilder und identifiziert damit auch die heute missverstandenen platonische Lehre. Er liefert für sie eine ausführlichen Neuinterpretation, sowohl ihrer bekannten als auch weniger bekannten Texte, Wörter und Begriffe. Sein Hauptziel dabei ist dreierlei:
1. Er zeigt, indem er die Grundbegriffe der platonischen Lehre mithilfe der daoistischen erklärt, klar die inhaltliche Übereinstimmung beider Lehren auf. Dabei betont er die Bedeutung der Praxis (Übung) in beiden Schulen für das damit erworbene Wissen, das er auch in weiteren mittel-östlichen und östlichen Lehren erkannt hat.
2. Er nutzt dieses Wissen als Basis für die Lebensanschauung und Lebenspflege dieser Schulen (Traditionen), die sich die Praxis „ohne Methode“ zunutze machten. Deren Rolle ist es, Übenden zu helfen, Teil des Ganzen zu werden und damit in Harmonie zu leben und zu sterben.
3. Er zeigt auch auf, dass dieser übungsbasierte Weg keine weltabgewandte Askese (kein Weltentzug) ist, die man den von ihm zitierten Meistern immer wieder unterstellt. Er dient vielmehr dem innigen Welt-und Selbstverständnis, um Denken und Handeln mit der ewig schöpferischen Natur in Einklang zu bringen.
Beantwortung der Grundfragen des Lebens
Meines Erachtens bietet vor allem seine Ausarbeitung der Emanation und Immanation (das „in Erscheinung kommen“ und wieder „aus Erscheinung verschwinden“) allen Seienden, inklusive des Menschen, fruchtbare Perspektiven zum Verständnis des Prozesses des Entstehens und Vergehens des menschlichen Daseins in beiden Traditionen. Ich kann daher seine tiefgreifenden Bände nicht genügend preisen. Er liefert darin in einem leicht verständlichen Rahmen viele profunde Einsichten, die die Voraussetzungen für weitere Forschungen bieten und den Grundstein für weitere Arbeiten legen. Erstens, weil er wichtige Grundfragen stellt und begehbare Wege für ihre Beantwortung liefert. Zweitens, weil er klar macht, dass die Antwort – trotz aller Theorie, die er liefert – letztendlich immer das persönliche Begehen des „ Weges ohne Methode“ und die damit gewonnenen Einsichten impliziert.
Konflikt zwischen traditionell östlicher und moderner westlicher Weltsicht
Meines Erachtens könnte im Westen ein unzureichendes Verständnis der von Hubral vorgestellten traditionellen Kulturen dadurch entstehen, weil das heute noch im Osten existierende Bewusstsein, modernen Westlern unvertraut ist. Es ist ein Bewusstsein, das viel Raum bietet für das was in weltabgewandter Stille aus sich heraus entsteht und in Worten nicht ausdrückbar ist. Dieses Bewusstsein ist vielen modernen Westlern, die seine Bücher lesen unvertraut, sind sie doch stark geneigt, alles was in Worten nicht klar ausgedrückt werden kann, zu negieren. Hubral ist sich dieser Problematik bewusst, was auch für die von ihm zitierten Meister zutrifft. Diese haben sich stets bemüht, für Ungeübte in Worte zu fassen, was sie sich erübt haben. Auch Hubral benutzt, so wie die platonische Tradition, viele Wörter, um damit auszudrücken, was dahinter steckt und nicht wortwörtlich zu nehmen ist. Dies tut auch sein Lehrer Fangfu, der die Einsichten seiner uralten Tradition auf dem Gebiet der Philosophie und Heilkunst in mehreren Büchern in chinesischer Sprache präsentiert, von denen es leider noch keine Übersetzungen im Westen gibt.
Hubral fasst das, was er in Kursen von Fangfu übernommen und durch eigenes Üben teilweise bestätigt hat, kurz zusammen. Er illustriert die daoistische Theorie an der Hand von Bildern. Im Band I liegt, sofern man ihn beim Verleger (Lotus Press) direkt bestellt, eine schöne Plastikkarte bei, die die Hauptstruktur der daoistischen Lehre übersichtlich präsentiert. Sie fasst den psycho-kosmischen Entstehungsprozess (Genesis) zusammen, den wir – im Einklang mit der daoistischen Weltauffassung „ohne Methode“ – durchmachen. Davon ist das bekannte Yin-Yang Zeichen, das auch auf dem Buchdeckel erscheint, eines der zentralen und umfassend erklärten Bilder.
Übrigens ist zu betonen, dass in der Schule von Meister Fangfu auch einiges geheim gehalten wird, aber wo ist dies nicht der Fall? Dies hat, so vermute ich, damit zu tun, dass gewisse Einsichten zu subtil sind, um der Öffentlichkeit preisgegeben zu werden, was es zu respektieren gilt.
Eine Basis für noch offene Fragen
Hubrals Bücher sind attraktiv, weil sie überraschende unerwartete Antworten über die alten Weisheitsschulen liefen und Raum lassen, neue Fragen zu stellen. Zum Beispiel, welche Chancen die traditionellen Kulturen der modernen Kultur bieten und wie Hubrals Darstellung des Daoismus und Platonismus uns helfen kann, aktuelle Probleme zu lösen. Ich bin überzeugt, dass er wichtige Parallelen zwischen beiden Kulturen aufweist. Er selber betont, dass er diese gern weiter ausgearbeitet sehen möchte. Er fordert z.B. eine Neuübersetzung der Werke der von ihm zitierten alten griechischen Schriftsteller, die die fundamentale Bedeutung der Übung berücksichtigt. Er sieht sich jedoch nicht in der Lage, diese umfangreiche Arbeit zu bewältigen.
Auch wenn Hubral den gemeinsamen hypothesen- und glaubensfreien Weg des Daoismus/ Platonismus so glänzend untersucht hat, habe ich mich bei meiner Lektüre immer wieder gefragt, ob er diesen Weg nicht zu ‚ungesellschaftlich‘, zu persönlich, zu ichbezogen vorstellt? Anders gefragt, ob er die gesellschaftlichen Aspekten seiner Analyse nicht zu sehr aus dem Blickfeld lässt, weil man sie als zweitrangig interpretieren könnte, zumal sie ja hypothesenbasiert und somit unbeweisbar sind. Insofern könnte man Hubral leicht eine Rationalismus- und Gesellschaftskritik unterstellen.
Doch diese Kritik ist zum großen Teil unserem heutigen (rationalistischen) Entweder-oder-Denken geschuldet und somit ungerechtfertigt. Er entkräftigt sie immer wieder an verschiedenen Stellen im Buch dadurch, indem er darauf hinweist, dass die von ihm zitierten Meister (Laozi, Plato, Suhrawardi, Empedokles, usw.) – so wie auch Fangfu und seine Schüler – sowohl weltab- wie weltzugewandt sind. Genauer: So wie ein guter Schlaf den Alltag verbessert, so ermöglicht der regelmäßige Weltentzug im Üben letztendlich eine innigere Weltzugewandtheit, d.h. sie dient dem besseren Leben in der Gesellschaft. Genau dies steckt z.B. hinter Laozis Empfehlung, man solle sowohl Vermindern wie auch Vermehren. Beides läutert das alltägliche Denken und Handeln und fördert die Tugend. Diesem Ziel dienen auch die hypothesenfreien Gesetze und Regeln, die im Üben entdeckt werden. Ihre Verinnerlichung ermöglicht auch Ungeübten ein besseres Leben in der Gesellschaft.
Hypothesenfreie Wahrheit im Konflikt mit hypothesenbasierten Meinungen
Wir hören, sehen und lesen immer wieder Berichte über Menschen, die nicht nur durch Naturkatastrophen, sondern auch durch (un)menschliches Verhalten, das Hypothesen (Dogmen, Glaubensüberzeugungen, Meinungen, Ideologien, Ritualen) geschuldet ist, schrecklich leiden. Insofern sind für wissenschaftliche, soziale, theoretische, praktische Fragen „ehrliche Antworten“ gesucht, die sich diesem Dilemma widmen. Sehr tiefgründige Antworten kommen – wie uns die Meister zeigen – auf hypothesen- und glaubensfreie Weise zustande. Hubral liefert dafür mehrere Beispiele, unter anderen zur Umweltverschmutzung durch Qi-Felder, die sich nur schwerlich wissenschaftlich erkunden lassen. Was nun in dem Falle, dass eine tiefgründige Antwort in Konflikt ist mit einer hypothesenbasierten? Wir Menschen sind frei in unseren privaten Meinungen, aber sowohl innerlich wie in unseren sozialen Umgebungen besteht Druck von und auf unseren Auffassungen. Wertvoll könnte sein, dass Übende im Sinne Hubrals Anderen helfen zu unterscheiden zwischen auf Hypothesen oder eben sozialen Druck basierten Erkenntnissen und freien inneren Erkenntnissen.
Er erklärt uns mit Verweis auf die von ihm zitierten Meister, dass unser Leben durch zwei Aspekte geprägt ist, das persönliche und soziale/ kulturelle (inklusive ökologische). Beide sind innig verbunden und nicht auseinander zu halten. Platon hat beide wohl bewusst noch nicht so sehr differenziert wie Aristoteles, dessen Anhänger bis heutzutage seine „rationale Denkweise“ ausschließlich einsetzen. Aber gerade, weil Hubral uns – mit seiner revolutionären Auslegung von Platon und anderen Meistern – neue Einsichten über ihr natürliches Denken liefert, hoffe ich, dass meine Frage über die gesellschaftliche Verantwortung der Meister künftig noch Schritt für Schritt tiefer als bisher beantwortet wird. Das Ende von Platons großem Lehrer Sokrates zeigt ja, dass schon die meisten Führer der Stadt Athen ihn nicht verstanden, jedenfalls nicht recht, aber auch dass seine Einsichten nichtsdestoweniger bis auf unsere Zeit wertvolles Studium sind und wertvollen Praxis fragen.
Möglicherweise hängt meine obige erste Frage mit folgender zweiten zusammen: „Wie kann man sich als unerfahrener Übender, der sich der Beschränktheit seiner Einsichten bewusst ist, davon überzeugen, dass die durch Üben erworbenen Erkenntnisse sowohl dem persönlichen Leben als auch dem in der Gesellschaft nutzen?“ Nun, die daoistische Antwort darauf ist: „Alle neuen hypothesenfreien Erkenntnisse auf dem Dao-Weg werden einzig und allein durch Begehen des Weges erworben“. Sie lassen sich weder erahnen noch mit Worten ausreichend erklären. Man muss, wie Fangfu betont, erst zum Narren werden, um sich dem regelmäßigen Üben anzuvertrauen, was uns Laozis Worte (Daodejing 1) verstehen lässt: „Könnten wir den Weg benennen, er wäre kein ewiger Weg. Könnten wir den Namen nennen, es wäre kein ewiger Name.“ Es geht also beim Üben um die hypothesenfreie wortlose Erkenntnis des Ewigen und nicht des hypothesenbasierten Vergänglichen, das sich in Worte fassen lässt.
Insofern ergeben sich die ergänzenden Fragen: „Wieviel von dem, was im Üben wortlos erfahren wird, kann mit Ungeübten geteilt werden, die andere Einsichten haben?“ „Wie kann man in einer modernen Gesellschaft – mit vielen Meinungen und Fähigkeiten unterschiedlicher Gruppen und Parteien – gut miteinander umgehen?“ Ich möchte diese Fragen nicht ausklammern, denn es ist wichtig, „fake news“ in gesellschaftlichen Beziehungen zu vermeiden. Hubrals Buch ist diesbezüglich sehr aufschlussreich und ermutigend, denn er liefert viele Beispiele dafür, dass man renommierten Meistern zwischen Ost und West über Jahrhunderte hin viel Falsches angedichtet hat, was er nun als deren „hypothesenfreie und universelle Wahrheit“ aufdeckt. Diese betrifft unsere unsterbliche Psyche (die ich lese als sowohl gemeinsame wie individuelle) und lässt sich nicht unter den Tisch kehren.
Beschränktheit der Sprache
Wir Menschen können tiefgründige Dinge erfahren, die uns erkennen lassen, dass nicht alles für Jedermann in Sprache ausgedrückt werden kann, was sich zwischen ‚Himmel und Erde‘ abspielt. Allen Menschen sind jedoch von Natur wesentlich mehr angeborene Kapazitäten gegeben, als die meisten von uns vermuten. Diese können durch Üben aktiviert werden, was Menschen, die sich der Einheit hinter der Vielfalt bewusst sind, leichter als Intellektuellen gelingt, die das, was zusammengehört, immer mehr differenzieren. Auch darüber ist im Daodejing guter Rat zu finden. Es steht – im Einklang mit allen anderen von Hubral betrachteten Weisheitsschriften – klar auf der Seite der Gewaltvermeidung. In Sokrates gibt es glücklicherweise ein Vorbild! Er vertritt zu allererst keine abstrakte Philosophie, sondern eine naturbejahende Lebenshaltung (siehe z.B. Sarah Abel-Rappe, Socratic Ignorance and Platonic Knowledge in the Dialogues of Plato).
Ich bin Peter Hubral sehr dankbar, dass er uns – im Vergleich mehrerer Lehren zwischen Ost und West – auf so viele interessante fundamentale Einsichten hingewiesen hat, hinter der sich die „sokratische Lebenshaltung“ verbirgt. Zum Beispiel (Evangelium Thomas 22): „Wenn ihr aus zwei eins macht und wenn ihr das Innere wie das Äußere macht und das Äußere wie das Innere und das Obere wie das Untere und wenn ihr aus dem Männlichen und dem Weiblichen eine Sache macht, so dass das Männliche nicht männlich und das Weibliche nicht weiblich ist … dann werdet ihr in das Königreich eingehen“ Bemerkenswert sind auch Hubrals Hinweise auf die Erfahrungen des Qi (kreisende lebendige Kräfte inklusive des Kugelmenschen bei Platon), das seiner Analyse zufolge die Gleichheit befriedigt: Psyche = Qi.
Ein abschließendes Resümee meines Eindrucks
Die Bücher von Peter Hubral – jetzt acht seit 2006 [siehe mein vorherige Reviews] – basieren auf seiner innigen Suche nach universeller Weisheit und tiefgründigen Einsichten ins Leben. Gewisse Passagen davon sind manchmal nicht sofort ausreichend zu verstehen, weil es vielen von uns schwerfällt zu akzeptieren, dass es für die Meister, die er uns – aus daoistischer Perspektive – präsentiert, ein „wahres Wissen (Gr. episteme)“ gibt, das im Üben aus sich selbst heraus entsteht. Es stellt viel Vertrautes infrage, woran wir bisher glaubten.
Seine beiden sehr gut aufgebauten Bände sind weitgehend illustriert. Sie liefern attraktive Ergänzungen und informative Zusammenfassungen seiner früheren Bücher. Er erklärt seine Funde oft am Beispiel einsichtsreicher Zitate aus östlichen (Lao Zi, Zhuang Zi) und westlichen (Pre-Sokratikern, Platon, Neoplatonikern u.v.a.) Texten.
Kurzum, mein Fazit ist: Weisheit ist eine universelle praktische Tugend (die Verstand, Einsicht, Sprache UND NOCH VIEL MEHR umfasst, nicht nur in uns Menschen sondern in der ganzen Welt)! Sie wird jedem von uns immer neu gegeben, wenn wir sie suchen. Sie geht ihren eigenen freien Gang in und um uns, allein und mit anderen (nahe und weit) und im tiefsten Sinne mit Allem zusammen, denn wir Menschen sind auf Ganzheit und nicht auf Trennung angelegt, sowohl sprechend wie schweigend.

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Boudewijn K. ⃝

Sint Laurens op Walcheren is mijn geboortedorp (1947); mijn ouders waren ƚ Leen Koole en ƚ Suzan (San) Huibregtse; mijn zus is Jopie en mijn broers zijn Wibo en ƚ Rien. Mijn jeugdvrienden waren ƚ Peter Karstanje en Wim Wattel. Nel Knip is mijn levenspartner. Wij wonen in Driebergen na Amsterdam en Tiel. Wij kregen twee kinderen en vier kleinkinderen. Ik werkte als wetenschappelijk medewerker filosofie in Amsterdam, cursusleider religie en samenleving in Driebergen, universitair bibliotheekmedewerker in Amsterdam, Utrecht en Den Haag (KB). Uiteindelijk als vertaler en auteur. Na het gymnasium studeerde ik in Amsterdam theologie (was vier jaar student-assistent bij prof. Harry Kuitert, VU) en filosofie (hoofdvak metafysica bij prof. Otto Duintjer, UvA; mijn afstudeeronderwerp was de eenheid van de tegenstellingen in de westerse dialectiek speciaal bij Marx en zijn voorlopers). Onder leiding van prof. Gilles Quispel (UvUtr) promoveerde ik op de visie op de ‘eenheid van man en vrouw’ in het christendom (bij onder meer Jacob Böhme). Ik vertaalde en schreef een aantal boeken (zie in kolom links). Terugkerende thema's vormden de relatie tussen taal, denken en werkelijkheid (filosofisch onder meer bij Wittgenstein, Boehme en het oosterse non-dualisme) en de directe verbanden hiervan met de visies op de man-vrouw-verhouding en alle andere dualiteiten of liever non-dualiteiten via het concept van de eenheid van tegenstellingen in West en Oost, met andere woorden een universeel thema dat ik deels al eerder had ontmoet als onderwerp van mijn doctoraalscriptie. Na onze pensionering zijn Nel en ik onder meer bezig met: onze kleinkinderen, andere contacten, diverse activiteiten en lezen.